1. Hauptversammlung in der Haake Beck Brauerei AG, Bremen
23.04.1947
( Bruno Hoyer schreibt in einem Brief: "Es wird ein kleines Mittagessen gereicht, zu dem wir sie bitten, einen Löffel und 150g Nährmittel mitbringen zu wollen." )
Am 23. April 1947 fand in der Haake Beck Brauerei, Bremen, die erste Hauptversammlung der Technisch - Wissenschaftlichen Vereinigung des Deutschen Braumeister- und Malzmeister - Bundes, Gruppe Weser - Ems, statt.
Herr Braumeister Hoyer eröffnete die Versammlung um 11Uhr und begrüßte alle Erschienenen, insbesondere den Redner des Tages, Herrn Dipl. Brauerei - Ingenieur Dr. J. Wellhoener, Düsseldorf.
In Kurzen Worten wurde noch einmal auf die zwei Versammlungen Bezug genommen, auf denen die Gruppe Weser - Ems als selbständige Vereinigung gebildet worden war mit dem Ziele, ihre Mitglieder durch häufiges Zusammenkommen einander näher zu bringen, technisch wissenschaftliche Erfahrungen auszutauschen, fachwissenschaftliche Vorträge abzuhalten und für die Ausbildung eines guten Nachwuchses Sorge zu tragen. Daneben soll mit den benachbarten Gruppen eine enge Verbindung aufrecht erhalten werden, um die Mitglieder über alle neuen Ergebnisse im Brauerei- und Mälzerei - Gewerbe laufend unterrichten zu können.
In den Vorstand wurden einstimmig gewählt:
1. Vorsitzender: Bruno Hoyer, Braumeister der Haake Beck Brauerei, Bremen und Aktienbrauerei Karlsburg, Bremerhaven
stellvertretender Vorsitzender: Dipl. Brauerei - Ing. Carsten Dressler, Brauereibesitzer der Germania - Brauerei C.Dressler, Bremen
Schriftführer: Dipl. Brauerei - Ing. Bernhard Kluck, Braumeister der Hemelinger Aktien - Brauerei, Bremen - Hemelingen
Kassierer: Dipl. Brauerei - Ing. Franz Schimpf, Braumeister der Germania - Brauerei C.Dressler, Bremen
Herrn Dr. Wellhoener wurde hierauf das Wort Erteilt zu seinem Vortrag über: Molke, ihreVerarbeitung und Verwendung zu Ersatzgetränken.
Im Verlauf seiner längeren, sehr interessanten Ausführungen wurde zunächst eingehend über die Zusammensetzung Caramelisierung, Säurebestimmung und Enteiweissung gesprochen. Ein günstiger p.H. ist anzustreben, wenn das Eiweiss gut ausgefällt werden soll. Das Optimum liegt zwischen 4,8 bis 5,1. Zur schnellen Bestimmung des p.H. eignen sich sehr gut die viel zur Anwendung kommenden Lyphanstreifen. Neben den chemischen und physikalischen Methode des Enteiweissens ist die des Kochens die meist gebräuchlichste. Kupfer- und Eisengefässe sind hierfür mit Vorsicht zu gebrauchen. Bei 92 - 95°C koagulieren die hochmolekularen Eiweisstoffe, so dass noch 50% niedrigmolekularer Eiweiss in der Molke enthalten bleibt für Schaumbildung und Vollmundigkeit. Nach drei Stunden ruhe ist die enteiweisste Molke abzuziehen und mit Hopfen zu kochen. Eingehend wurde dann über Hopfenkochung, Eignung der Wässer, Einlagerung und Vergärung der Molke gesprochen. Für dunkle Molkegetränke genügen Hopfengaben von 40 - 60 Gramm pro hl. Für helle 60 - 140 Gramm pro hl. Wasser mit einer Gesamthärte von 7 - 10° sind günstig für die Verarbeitung. Eine Lagerzeit von 14 Tagen ist anzustreben, wobei nach drei Tagen umgedrückt werden soll. Ein zwei- bis dreimaliges Karbonisieren vom Schlauchen bis zum Abfüllen ist unbedingt durchzuführen bei einer Temperatur von 2 - 4°C.Für die Einlagerung von Molke eignen sich am besten Konzentrate von 1:3 - 1:7. Ein Kohlensäurepolster wirkt nur günstig. Bei 35° S.H. ist die Molke für längere Zeit haltbar.Der Vergärung von Molke wird im allgemeinen kein grosses Interesse entgegengebracht. Süssmolke oder "süsse" Sauermolke, die bis auf 1/2 bis 1/3 verdünnt und mit Milchzucker vergärenden Hefen bei ca. 22°C angestellt und darauf auf 12 - 16°C heruntergekühlt werden, eignen sich am besten hierfür. Die Gärung ist nach 3 - 5 Tagen beendet.Ein Zusatz von 2 - 5% Molke genügen für Schaumbildung und 8 - 10% für Vollmundigkeit.
Der Vorsitzende dankte Herrn Dr. Wellhoener für seine lehrreichen Ausführungen, wobei eine lebhafte Diskussion begann. Es wurden u.a. noch die Einwirkungen der Farbstoffe auf Eiweiss, dieAuflösung und der Zusatz der Farben zur Molke und die Verarbeitung von Molkepaste eingehend behandelt.
Abschliessend wurde vom Vorsitzenden als nächster Tagungsort Oldenburg bestimmt. Der genaue Zeitpunkt zu dieser Zusammenkunft wird noch bekanntgegeben.
Kluck