Frühjahrstagung und Hauptversammlung in Oldenburg
25.04.1975
Unter großer Beteiligung fand am 25.04.1975 in Oldenburg die satzungsmäßige Hauptversammlung statt.
Nach einleitenden Begrüßungsworten durch den Vorsitzenden Dipl.-Br.-Ing. Mieler gedachten die Anwesenden dem am 16.11.1974 verstorbenen Kollegen Otto Stahmer. In dem anschließenden Bericht gab der Vorsitzende einen Überblick über das Geschehen innerhalb der Landesgruppe in den letzten zwei Jahren. Nach dem vom Schatzmeister Dipl.-Br.-Ing. Schönfeld vorgetragenen positiven Kassenbericht, der vom Sprecher der Kassenprüfer in allen Einzelheiten bestätigt wurde, trat der Vorstand satzungsgemäß zurück. Nach der einstimmigen Entlastung wählte die Versammlung ohne Gegenstimmen den bisherigen Vorstand für weitere zwei Jahre.
Herr Mieler dankte im Namen des Vorstandes für das erneut ausgesprochene Vertrauen und erteilte anschließend Herrn Dr. Becker - Platen das Wort zu seinem Vortrag "Möglichkeiten der Wassererschließung im norddeutschen Flachland". Der Vortragende gab zunächst, unterstützt von Lichtbildern, einen Überblick über die verschiedenen Gesteinsformationen und kam dann auf die Vorbereitungen zu sprechen, die erforderlich sind, um Aufschlußbohrungen auszuführen. Dem Geologen stehen Karten zur Verfügung, die erkennen lassen, wo mit großer Wahrscheinlichkeit Wasser erwartet werden kann. Es war interessant, an Hand von Bildern die verschiedenen Untergrundformationen kennen zu lernen. Zunächst wird auf dem Gelände ein Punkt bestimmt, der für eine spätere Bohrung geeignet erscheint. Nun werden Methoden angewandt, die ohne Bohrung weitere Aufschlüsse ergeben. Mittels Sonden wird Strom in die Erde geleitet, an zwei anderen Sonden wird die Spannung gemessen. Der berechenbare Widerstand gibt Rückschlüsse auf das Gestein und die darin befindliche Flüssigkeit. Eine weitere Möglichkeit ist die seismische Messung. Wellen, die der Untergrund abgibt, können an der Oberfläsche gemessen werden und geben dem Geologen Rückschlüsse über die Formationen.
In Norddeutschland werden vielfach Sand- und Tonschichten angetroffen. Ton ist für die Wassergewinnung ungeeignet. Unterhalb der Süßwasserschichten befindet sich in vielen Fällen Salzwasser.
Die so ermittelten Meßergebnisse werden nun durch eine Aufschlußbohrung überprüft. Diese Bohrung ist wichtig, um Aussagen über die Qualität und Ausgiebigkeit des vorhandenen Wassers zu erhalten. Man ist jetzt in der Lage, den genauen Punkt und die Tiefe des Brunnens für die spätere Förderung festzulegen. Der so errichtete Peilbrunnen stößt in größere Tiefen vor, um nach Errichtung des Hauptbrunnen während der Abpumpversuche durch Proben des Peilbrunnens Aufschluß über evtl. Veränderungen der Wasserqualität zu bekommen.
Der Vortragende kam anschließend auf die verschiedenen Bohrmethoden zu sprechen. Hauptsächlich angewandt wird das Rotary - System. Hier wird das Bohrgut mit Wasser ausgespült und gibt gleichzeitig Auskunft über die Untergrundbeschaffenheit. Nach dieser Methode kann ein Brunnen in kürzester Zeit errichtet werden.
Das Schlagbohrsystem ist umständlich und macht zudem eine Blechwand erforderlich.
Nach Erreichen der zuvor ermittelten Tiefe kann nun mit den Abpumpversuchen begonnen werden, die mehrere Wochen in Anspruch nehmen. Man beginnt mit geringen Förderleistungen, die langsam erhöht werden, und versucht nun an Hand der vom Peilbrunnen ermittelten Analysenwerte festzustellen, ob unterhalb des Hauptbrunnen die Wasserqualität konstant bleibt. Bei einem Anstieg der Chloridwerte muß die Leistung des Hauptbrunnens reduziert werden. Vom Peilbrunnen können jederzeit Kontrolluntersuchungen durchgeführt werden, um vor unliebsamen Überraschungen gesichert zu sein.
Dieser Vortrag hat gezeigt, daß die heutige Technik so weit ist, daß auf die Wünschelrute verzichtet werden kann. Kostengünstige Messungen können mit großer Wahrscheinlichkeit Aussagen über Menge und Qualität des zu erwartenden Wassers machen.
Mit dem Dank des Vorstandes an Herrn Dr. Becker - Platen, der von der Versammlung mit starkem Beifall unterstützt wurde, fand der offizielle Teil der Tagung sein Ende.
Depmer