a.o. Hauptversammlung im Hallenbad Süd, Bremen

21.11.1975

 

Am 21.11.1975 traf sich die Landesgruppe Weser - Ems unter großer Mitgliederbeteiligung zu einer außerordentlichen Hauptversammlung im Restaurant des Hallenbades Süd in Bremen. Anlaß war der angekündigte Rücktritt des bisherigen Gesamtvorstandes der Landesgruppe und die damit erforderlich gewordene Entlastung und Neuwahl.

Nach einleitenden Begrüßungsworten berichtete der Vorsitzende, Dipl.-Br.-Ing. Mieler, über die Bundesvorstandssitzung 1975 in Dortmund, in welcher eingehend die zunehmende Problematik der Brauernachwuchsausbildung und Förderung bei zahlenmäßig immer geringer werdenden Ausbildungsplätzen behandelt wurde. Anschließend legte der Schatzmeister, Dipl.-Br.-Ing. Schönfeld, seinen Kassenbericht dar und stellte die gesunde finanzielle Basis der Landesgruppe unter Beweis.

Als Wahlleiter bewährte sich Kollege Dipl.-Br.-Ing. Ahrens wieder einmal in souveräner Weise und würdigte eingehend die Verdienste des ausscheidenden Präsidiums. Den Herren Mieler, Depmer und Schönfeld wurde anschließend einstimmig Entlastung erteilt.

Vor der anschließend durchgeführten Neuwahl vertrat Herr Mieler die Auffassung, daß der neue Vorstand von jüngeren Kollegen übernommen und um die Position eines 2. Vorsitzenden erweitert werden sollte. die Versammlung stimmte diesem Vorschlag zu.

Der neue Vorstand wurde einstimmig in folgender Zusammensetzung gewählt:

1. Vorsitzender Dipl.-Br.-Ing. Hans Claussen
2. Vorsitzender Dipl.-Braumeister Peter Peters
Schriftführer Dipl.-Braumeister Hans - Henning Qualen
Schatzmeister Braumeister Heinrich Eggers

Dipl.-Br.-Ing. Claussen sprach in seiner Eigenschaft als neuer Vorsitzender im Namen der Landesgruppe dem alten Präsidium für die geleistete Arbeit Dank und Anerkennung aus und überreichte den ausscheidenden Herren je einen Zinnteller als Ehrengabe.

Der weitere Verlauf des Abends wurde bestimmt durch den von Lichtbildern unterstützten Vortrag von Herrn Dr. Thoss aus Berlin. Das Thema des Referates lautete: "Der moderne Faßkeller". Der Vortragende machte zunächst deutlich, daß der Faßkeller lange Zeit das Stiefkind der Entwicklung gewesen war und z.T. heute noch ist. Erst neue Absatzentwicklungen und Verschiebungen bzw. Verbesserungen von Faßbieranteilen haben in den letzten Jahren Denkanstöße und damit neue Impulse zur Modernisierung des konventionellen Faßkellers gegeben. Die kompromißlose Übernahme des zweifellos vorteilhaften Systemfasses ( Keg ) scheitert in den meißten Fällen an der Vielzahl noch vorhandener, meist guterhaltener Alu - Fässer, die erst vor 15 - 20 Jahren das Holzfaß abgelöst hatten. Es sind jedoch eine Reihe von Möglichkeiten vorhanden, sich auch beim herkömmlichen Alu - Faß der Vorteile des modernen Kegs zu bedienen. In biologischer Hinsicht hat sich vor allem der Rücklauf des verschlossenen Fasses zur Produktionsstätte positiv ausgewirkt, weil Bierreste nicht mehr antrocknen können und Mikroorganismen kaum noch ein Betätigungsfeld vorfinden. Das Faß bleibt somit keimarm, die Reinigung wird erleichtert und damit die biologische Sicherheit erhöht. Dieser Effekt kann auch im konventionellen Faß erzielt werden durch Einführung des amerikanischen Hoff - Stevens - Systems, d.h. Einbau eines Fittings mit Steigleitung in das vorhandene Faß, oder durch Montage von Magnetverschlüssen und last but not least durch Anwendung des Stoppi - Systems.

Der jährliche durchgeführte Faßkellervergleich des Deutschen Brauerbundes von 1974 weist 85% aller im Bundesgebiet im Umlauf befindlichen Fässer als Alu - Fässer aus. Die durchschnittliche Umlaufzahl beträgt 14 pro Jahr. An Gesamtkosten entfallen auf die Kostenstelle Faßkeller ca. 6,- bis 8,- DM pro hl, wovon die Personalkosten allein 2,- DM pro hl ausmachen, bei durchschnittlich 12.000hl pro Beschäftigten und Jahr. Hieraus ist ersichtlich, daß für Rationalisierungsmaßnahmen auf dem Personalsektor noch ein breiter Spielraum vorhanden ist.

Ansatzpunkte hierfür bieten sich vor allem durch die Mechanisierung der Transportwege, durch Einsatz von geeigneten Rollenbahnen, Gleitkettenförderer, Gabelstaplern, die evtl. auch mit Klemmgabelnausgerüstet sein können sowie durch Be- und Entpalettieranlagen. Automaten zum Signieren und Entspunden sowie der Verzicht auf Spundlappen durch Verwendung geeigneter kunststoffummantelter Faßschrauben verbessern darüber hinaus deutlich die Personalkostensituation.

Das eigentliche System - Faß, kurz Keg genannt, wurde in England entwickelt und 1964 im Bundesgebiet erstmals auf der Interbrau vorgestellt. Es dominiert die Edelstahlausführung mit genormten Gewinde, jedoch ist es auch in Aluminiumausführung anzutreffen. Die Fittinge sind jeweils als Flachkopf- oder Korbfittinge ausgebildet. Reinigung und Befüllung erfolgt bekannterweise bei auf dem Kopf stehendem Keg. Hierzulande sind überwiegend Kombinationsanlagen für Reinigung und Befüllung anzutreffen, englische Brauereien legegn dagegen Wert auf Trennung beider Vorgänge unter Ausnutzung von Pufferstrecken. Die Palettierung ist zu 6 Kegs à 50l pro Palette üblich, Stapelhöhe je nach Raumhöhe meist 3 Paletten übereinander.

Varianten des klassischen System - Fasses bilden die Kegs mit Edelstahlkern und Alumantel bei verbesserter Beulfestigkeit und relativ geringem Gewicht sowie die mit Polyethanschaum ummantelten Edelstahlkegs. Letztere bieten Vorteile in der Wärmeisolierung und vermindern den Abfüllärm erheblich. Darüber hinaus ist auch eine individuelle Farbgestaltung leicht möglich.

Einige Zahlen von der größten Keganlage in Deutschland sollen das Bild abrunden. Auf 4 parallelbetriebenen Kegstraßen werden 200hl pro Stunde abgefüllt, der Platzbedarf beträgt lediglich 150qm, der umbaute Raum 450cbm. Das Volumen der umlaufenden Kegs beläuft sich auf 35.000 Stück bei einer Jahresabfüllkapazität von 350.000hl.

Unter dem Strich macht beim System - Faß die Personaleinsparung den größten Brocken aus, jedoch ist bei Neuplanungen wie bereits aufgezeigt, der geringere Platzbedarf nicht zu übersehen. Diese Vorteile, verbunden mit einer wesentlich verbesserten biologischen Sicherheit, räumen dem System - Faß auch in der Bundesrepublik gute Chancen ein.

Eine lebhafte Diskussion über pro und kontra des angesprochenen Themenkreises bildete den Abschluß des offiziellen Teils der Hauptversammlung.

H. Qualen