30. Wiederkehr der 1. Vortragsveranstaltung in Weser - Ems

22.04.1977

 

Am 22. April 1977 feierte die Landesgruppe Weser - Ems des DBMB ihr 30 jähriges Bestehen im Rahmen einer Jubiläumsveranstaltung. Die Haake Beck Brauerei ließ es sich nehmen, für den festlichen Rahmen des Abends zu sorgen, indem sie ihre neuen Casinoräume im Verwaltungsgebäude zur Verfügung stellte. Vorstandsmitglied Dr. H. Gribkowsky würdigte eingangs in einem Grußwort die Verdienste der Brauereitechniker in den vergangenen 30 Jahren und stellte insbesondere das gegenseitige gute Einvernehmen zwischen den Vorständen und Technikern heraus.

Der Geschäftsführer des DBMB, Dipl.-Br.-Ing. P. Amon, überbrachte aus Dortmund die besten Wünsche und Grüße des Präsidiums.

Als 1. Vorsitzender der Landesgruppe dankte Dipl.-Br.-Ing. Claussen in seiner Festrede für die in den vergangenen Jahren über die Bremer Brauer - Societät geleistete großzügige Unterstützung und Förderung der Berufsvereinigung. Die Landesgruppe Weser - Ems als die kleinste im Bundesgebiet wisse dieses besonders zu schätzen und zu würdigen. Kollege Claussen führte weiterhin aus, daß der wirtschaftliche Aufschwung der Brauindustrie nach dem Kriege letzten Ende nicht ohne das Fachwissen und den unermüdlichen persönlichen Einsatz der damaligen Kollegen möglich gewesen wäre. Ihne gebühre besonderen Dank und Anerkennung, denn nichts wachse und gedeihe ohne gesunde Wurzeln! Mit besonderer Freude konnte er feststellen, daß viele ehemalige Gründungsmitglieder aus nah und fern den Weg nach Bremen zu der Veranstaltung gefunden hatten.

Wie schwierig die Zeiten des Neubeginns damals gewesen waren, ersah man allein aus dem Text des 1. Einladungsschreibens der Landesgruppe, welcher lautete: "Vortrag des Herrn Dr. Wellhoener, Düsseldorf, über die Erfahrungen in der Bierherstellung unter Verwendung von Molke!"

Heute, nach 30 Jahren, hatte sich dankenswerterweise wiederum Dr. Wellhoener für ein Referat mit dem Thema: "Die Gärungstechnologie und Reifung des Bieres" zur Verfügung gestellt. In Kurzform sei hier das Wesentlichste wiedergegeben: Seit 1951 beschäftigt sich der Vortragende intensiv mit dem Thema Gärungstechnologie. Die allgemeine technische Entwicklung hat in den vergangenen 30 Jahren auch vor den Brauereien nicht halt gemacht. An den Brauer sind ein Übermaß an Anforderungen gestellt worden. Neue technische Erkenntnisse und Einrichtungen waren in den Bierherstellungsprozess einzuplanen, technologische Kenntnisse mußten erneuert und nutzbringend angewendet werden. Erschwerend kam hinzu, daß neben der selbstverständlich hohen Bierqualität ein höchstes Maß an Wirtschaftlichkeit gefordert wurde.

Die Erzeugung von Qualitätsbieren mit hoher Durchsatzleistung im Gär- und Lagerkeller sind heute nur mit Hilfe modifizierter und moderner Gärungstechnologien zu gewährleisten, wobei sich die geschlossene Gärung im Wochenrhythmus weitgehend durchgesetzt hat. Der Erfolg war u.a. nur möglich durch verfeinerte Analysenmethoden, die neue Einblicke in die komplizierten Gärungsvorgänge eröffnet haben, wofür wiederum wissenschaftliche Studien und praktische Erfahrungen in großer Zahl die Grundlagen gaben. In der Entwicklungsarbeit galt zu unterscheiden zwischen 1. Brauereien, in denen der technologische Ablauf verbessert und rationalisiert werden sollte, 2. Brauereien, die expandierten und 3. Brauereien, die teilweise oder ganz neu erstellt wurden.

Man unterscheidet heute bei der Bierherstellung zwischen modifizierter konventioneller Gärung und Intensiv-Gärungs- und Reifungsverfahren, die erheblich verkürzte Herstellungsverfahren ermöglichen. Grundsätzlich gilt, daß der Erfolg bei der modernen Bierherstellung nicht im Gewinn von 1 oder 2 Gärtagen gesehen werden sollte, sondern darin, daß die Arbeitsweise so modifiziert wird, daß die gesamte Bierherstellungszeit, insbesondere die Reifungszeit erheblich verkürzt wird. Neue Gärsysteme haben jedoch nur dann Aussicht auf durchschlagenden Erfolg, wenn sie gegenüber der klassischen Methode leichter überwach- und steuerbar, weniger Aufwand und umständliche Manipulationen erfordern und eine einfache Unterbringung in den Wochenrhythmus gestatten, sowie im Hinblick auf die Qualität des Endproduktes keinerlei Fragen offen lassen.

Der Vortragende behandelte weiterhin ausführlich die Themen Aminostickstoff der Würze, Kühltrubausscheidung, Auswahl der geeigneten Heferassen, Hefedosierung und Würzebelüftung sowie die Vermeidung oder Ausscheidung von unerwünschten Gärungsnebenprodukten.

Nach Meinung des Referenten sollte eine moderne, wirtschaftlich arbeitende Brauerei im Gär- und Reifebereich sich aus den Aggregaten Whirlpool mit integrierter Trubausscheidung, Angärgefäß, ZKG, Extremtiefkühler, Hochleistungszentrifuge und Sammeltank zusammensetzen.

Kollege Claussen dankte Dr. Wellhoener für seinen in vielen Punkten aufschlußreichen Festvortrag, welcher einigen Brauern teilweise ketzerisch geklungen haben mag, aber ohne Zweifel auch zu neuen Denkanstößen führen wird.

H. Qualen