Malzfabrik Weissheimer, Bremen

07.02.1986

 

Am 7.2.1986 fand ein Vortragsabend bei der Friedrich Weißheimer Malzfabrik in Bremen statt.
Der geschäftsführende Gesellschafter, Dipl.-Braum. H.-G. Sarx, behandelte die Themen "Situation auf dem Braugerstenmarkt" und "Qualitätskriterien der Ernte 1985" und sprach u.a. über die Agrarmarktpolitik mit ihrer Getreidepreisgestaltung innerhalb der EG:
Von dem 62 Mrd. DM EG-Haushalt entfallen 42 Mrd. DM auf die Landwirtschaft, von denen wiederum 10 Mrd. DM für Getreide bzw. für die Beseitigung von Uberschüssen ausgegeben werden. Ankauf zu Garantiepreisen, Lagerhaltung und schließlich Herabschleusung auf Weltmarktniveau mit Hilfe von Subventionen sind die üblichen Verfahrensweisen. Eine Problemlösung für die Überschußgebiete USA und Europa erscheint vorerst kaum möglich, da keine neuen Konsumenten auf dem Weltmarkt zu finden sind und die Abhängigkeit der Länder wie Rußland, China oder Indien durch eigene Produktionsausweitung immer geringer wird.
Der Referent nannte einige Vorschläge der EG-Kommission zu neuen Maßnahmen der EG-Agrarpolitik:

  1. Eine "Mitverantwortungsabgabe" von 3% (13,- DM/t) durch den Landwirt bei gleichbleibenden Interventionspreisen.
  2. Verschärfung der Interventionsqualität als Voraussetzung für die Gewährung des vollen Interventionspreieses, wobei für Gerste ein hl-Gewicht von 69 kg zugrunde gelegt wird. Unter 62 kg/hl wäre die Gerste nicht mehr interventions­fähig, würde aber nicht nur als billiges Inland-Futtermittel Sojaschrot und Tapioka ersetzen, sondern auch dazu beitragen, die Uberschußmengen abzubauen
  3. Prämien für die Stillegung von Anbauflächen (in den USA bereits üblich).

Die Reaktion des Braugerstenmarktes:

  1. Weniger Futtergerste, dafür verstärkt Braugerste zur Intervention.
  2. Prämie für Braugerste und Rückgang der Futtergerstenpreise.

In der abschließenden Diskussion kamen u.a. die scheinbar widersprüchlichen Maß­nahmen der Agrarmarktpolitik zu Sprache:
Einerseits wird ein Abbau der Überschußmengen angestrebt, andererseits die Zu­lassung neuer Gerstensorten davon abhängig gemacht, daß sie auf mindestens 5% Zuwachs gezüchtet werden. Schließlich war man sich einig: Alle Problemlösungen sind beim Erzeuger selbst zu suchen.

König