Glas - Kunst der Verpackung -
Ein Besuch der Landesgruppe Weser-Ems bei Nienburger Glas
Am 18. Oktober 2002 versammelten sich auf Einladung der Nienburger Glashütte 31 Mitglieder, Fördermitglieder und Gäste der Landesgruppe Weser-Ems zum Brau- und Malzmeisterabend.
In der Kantine des traditionsreichen, 1891 unter dem Namen Wilhelmshütte gegründeten Unternehmens, begrüßte zunächst der Technische Direktor Herr Dr. Barklage-Hilgefort die Teilnehmer des Treffens, auch im Namen seiner die Veranstaltung begleitenden Kollegen, den Herren Bolenz, Traphagen und Schäfer.
In seiner Einführungsrede gab Herr Dr. Barklage dann weiter anhand von Charts einen umfassenden Überblick über 111 Jahre Unternehmensgeschichte. Als Hersteller und Lieferant von Glasverpackungen kann Nienburger Glas mit seinen 4 logistisch optimal angebundenen Standorten in Deutschland ein kontinuierliches Wachstum verzeichnen. Mit den rund 1.250 Mitarbeitern wird eine Gesamtschmelzleistung von ca. 600.000 to / Jahr in den Werken Nienburg, Neuenhagen, Wahlstedt und Schleiden erbracht, die wiederum einer Ausbringung von ca. 2,3 Mrd. Behälter entspricht und sich zu 75% in Flaschen und 25% in Weithalsglas aufteilt Als einer der Hauptauftraggeber für die Flaschenproduktion kann die Brauerei Beck & Co. in Bremen genannt werden, die je nach Bedarf 20-25% der produzierten Flaschen abnimmt. Neben der weltberühmten grünen Beck´s-Flasche verfügt die Nienburger Glas aber auch über eine breite Produktpalette von Flaschen und Gläsern für die gesamte Getränke-, Nahrungs- und Genussmittelindustrie in den Farben Grün und Weiss, sowie in diversen Sonderfarben, die an insgesamt 24 Produktionslinien hergestellt wird.
Im Anschluss an den theoretischen Überblick des Herstellungsprozesses vom Rohstoff zur Glasverpackung wurde den Teilnehmern dieser Exkursion unter der kompetenten Führung der Herren Dr. Barklage und Bolenz, sowie der Herren Traphagen und Schäfer, ein im höchsten Maße imposanter Eindruck über die Kunst der Fertigung von Glasverpackungen vermittelt. Zunächst konnte man sich in der Formenwerkstatt anhand von Modellen von der im Betrieb angewendeten Fertigungstechnik, speziell dem Press-Blas- und dem Blas-Blas-Verfahren, ein Bild machen. Letzteres findet im wesentlich bei der Herstellung von Sekt-, Wein- und Spirituosenflaschen Anwendung, während man mit dem Press-Blas-Verfahren leichtgewichtigere Behälter, wie z.B. die geschätzten grünen Beck’s-Flaschen fertigt. Unter ständiger Berücksichtung von Qualitäts- (ISO 9001:2000) und Umweltaspekten (DIN EN ISO 14001) sowie geltenden Arbeitssicherheitsvorschriften - auch die Teilnehmer waren während des Rundgangs entsprechend mit Arbeitsschutzkleidung ausgestattet! – werden Nienburger Glasbehälter mit einem Scherbeneinsatz von bis zu 85% gefertigt. Dieses Recyclingglas wird speziell in einer externen Glasaufbereitungsanlage sortiert und getrennt als Grün-/Buntglas, bzw. höherwertigem Weissglas für die Beschickung der Gemenge-Häuser bereitgestellt. Hier beginnt auch der Weg zum fertigen Glas. Entsprechend vorgegebener Rezeptur werden im Gemengehaus die Rohstoffe und das Recycling-Glas gemischt, verwogen und dem Schmelzprozess zugeführt. Als Beispiel ressourcenschonender Produktion in Nienburg werden für Weissglasbehälter den Basisanteilen des Gemenges (Sand / Soda / Kalk / Dolomit / Tonerde-Gemisch), bis zu 70% aufbereitete weisse Scherben und dem farbigen Glas sogar 85% Mischglasscherben zugesetzt und anschließend in den 8 Schmelzwannen des Unternehmens geschmolzen.
Ein Bild von der Vergangenheit konnten sich die Teilnehmer in der früheren sog. Sodawarte machen. Das Verhältnis des Einsatzes von Scherben zu Rohstoff hat sich im Lauf der Entwicklung des Unternehmens von 1:4 zu beachtlichen 4:1 gewandelt.
Herzstück der Firma ist eine moderne Steuerwarte, von der aus sämtliche Produktionsschritte gesteuert und über Monitore überwacht werden. Sehr anschaulich wurde die Funktionsweise der Glasschmelze in den Wannen sowie der Brennkammern anhand der laufenden Kameraaufzeichnungen erläutert. Auch an dieser Stelle wurde deutlich, dass sich die Firma ihrer ökologischen Verantwortung bewusst ist. Unter Mitwirkung von Nienburger Glas wurde durch eine veränderte Flammenbildung der NOx-Gehalt in der modernsten Wanne von 3000 mg/ auf ca. 700 mg/l gesenkt.
An die Schmelzwannen schließt sich ein Rinnensystem an, über dass das geschmolzene Glas als Tropfenabschnitte mit einer Temperatur von ca. 1170°C den Fertigungsformen in den Blas-Aggregaten zugeführt wird. An dieser Stelle der Produktion fragte sich wohl manch einer der Teilnehmer, - ganz beeindruckt nicht nur von der hohen Geschwindigkeit der Fertigungsmaschine -, ist es Glas-Kunst oder Verpackungsmittel, was da entsteht? Im Anschluß an den Blasprozess werden die Glasbehälter im Kühlkanal nochmals gezielt auf eine Temperatur von über 550°C erhitzt, um dann spannungsfrei entsprechend einer vorgegebenen Grundkühlkurve abzukühlen. Nach dem Aufbringen der Heiß- und Kaltvergütung werden die Flaschen einer sorgfältigen Endkontrolle unterzogen, erst dann palettiert und verpackt und z.B. an Brauereien ausgeliefert, wo sie ihre endgültige Vollkommenheit erlangen, indem sie mit einem Spitzen-Pilsener von Welt mit Leben erfüllt werden. Nach dieser sehr gelungenen Führung waren sich alle einig, dass man, einer weiteren Einladung von Nienburger Glas in die Gastwirtschaft ”Neuloher Hof” folgend, dieses Bier zusammen mit einem leckeren Imbiss genießen sollte. So ließ man den Tag bei anschließenden fachlichen Gesprächen in kleineren Runden gemütlich ausklingen.
Der Vorstand in Personalunion (1.Vorsitzender, Schriftführer und Kassenwart) dankte der Geschäftsführung der Firma Nienburger Glas insbesondere den Herren Dr. Barklage, Bolenz, Traphagen und Schäfer im Namen der Teilnehmer der Landesgruppe Weser-Ems und seiner Gäste für die kompetente Führung durch den Betrieb und im Gesamten für die überaus gelungene Veranstaltung.
Nach dem Gesellschafterwechsel in die Gruppe des britischen Unternehmens Rexam PLC wünscht die DBMB-Landesgruppe Weser-Ems der Fa. Nienburger Glas und seinen Mitarbeitern auf ihrem weiteren Weg alles Gute und viel Erfolg.
Kerstin Kumbera
(Kassenwart)